In unseren Breitenkreisen ist der Lehmbau nicht sehr beliebt. Man muss allerdings sagen, dass noch vor einigen Jahrzehnten dieser Baustoff sehr verpönt war und eher als Baumaterial der Armen galt. Damals war der Lehm so gut wie gar nicht im Einsatz. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und speziell nach 1980 gab es einen wahren Boom. Es war die Zeit, zu der auch die politischen Parteien mit ökologischen Themen punkten konnten und sich viele grüne Parteien in ganz Europa bildeten. Man wollte umweltfreundlich bauen und verwendete deshalb auch alternative Materialien für den Hausbau. Das was also heute wieder in Mode ist, hat aber eine sehr lange Geschichte.

Erste Lehmhäuser

Denn Lehm war einer der Paradebaustoffe für den Bau von Gebäuden. Dabei kann man jetzt nicht bestimmte Punkte auf der Erdkugel festmachen, wo man diese Tradition pflegte, sondern überall verstreut baute man solche Häuser. Die heute als ältesten geltenden Lehmbauten stehen in Russland. Genauergesagt in Turkestan. Archäologen schätzen die Entstehung auf etwa 6.000 bis 8.000 vor Christus. Das bedeutet, dass man vor etwa 8.000 bis 10.000 Jahren bereits wusste wie man Häuser stabil, aber dennoch umweltfreundlich baute. Die Industrie war ja noch kein Thema, aber trotzdem waren diese Bauten in einem guten Konzept angefertigt. Man darf jetzt aber nicht denken, dass es sich dabei um vierstöckige Villen handelte. Es waren einfache rechteckige Lehmsteinhäuser. Genauso gibt es auch in Assyrien noch uralte Lehmsteinhäuser, die um 5.000 vor Christus entstanden sind. Nicht viele wissen dieses Detail, aber auch die berühmte Chinesische Mauer steht in Verbindung mit dem Lehmbau. Denn bei ihrer Errichtung um 300 vor Christus verwendete man nur Lehm als Baustoff. Erst viele Jahrhunderte später benutzte man auch Steine um sie gegen Feinde resistenter zu machen.

Lehm = Baustoff der Armen?

Wie vorhin schon erwähnt, galt Lehm auch lange als Baustoff der Armen. Sieht man sich die Reichtumsverteilung auf der Erde an, scheint es auch nicht zu verwundern, dass etwa ein Drittel bis 40 Prozent der Weltbevölkerung in Häusern aus Lehm leben. Diese Zahlen sind vor allem aus der Dritten Welt und jene Siedlungen sind vor allem abseits der westlichen Welt gelegen. Berühmte Beispiele für Städte, die ganz aus Lehm gebaut sind, befinden sich etwa im Iran. Die Stadt Bam ist ein malerisches Dörfchen, das nur aus Lehmziegeln besteht. Im Jahr 2003 musste sie allerdings ein schweres Erdbeben hinnehmen, was die Stadt fast ganz zerstörte. Aber es ist gelungen zumindest Teile von Bam wieder zu errichten. Ein weiteres Beispiel ist in Mali zu finden. Das Dorf Dogon ist ebenfalls ganz aus Lehm und hat spitze Hausdächer als Charakteristika. Blickt man auf die andere Seite der Erdhalbkugel findet man sich schnell bei den alten Maya und Azteken wieder. Denn sie bauten ebenfalls einige ihrer heiligen Pyramiden teilweise aus Lehm. Hoch hinaus wollte man auch in Afrika. Denn im Jemen sind Hochhäuser aus Lehm zu finden, die ganze 500 Jahre alt sind und die den Titel „die ältesten Hochhäuser der Welt“ tragen.

Will man nicht so weit fahren findet man in Weilburg an der Lahn, in Deutschland, das älteste Lehmhaus des Landes. Es besteht aus fünf Stockwerken und stammt aus dem Jahre 1828. Nach Schätzungen sind in Deutschland etwa 200.000 Häuser und Gebäude aus Lehm gebaut.