traditioneller Lehmhausbau

Jeder einzelne Baustoff hat seine eigene Geschichte, das fängt mit der Entdeckung an und geht bis zu seiner Verbreitung. Vielleicht hat das Material auch einmal seine Hochzeit gehabt und wurde dann sehr oft verwendet. Später ging die Häufigkeit der daraus kreierten Bauten wieder zurück. Deshalb soll hier auch einmal der Baustoff Lehm untersucht werden und Fragen wie „Wer hat ihn als erstes verwendet?“ oder „Wann war das überhaupt so?“ nachgegangen werden. Vielleicht ist dann aus dem Kontext heraus zu verstehen, wieso Lehm heute oft als minderwertiger Baustoff gesehen wird und nicht das Ansehen wie etwa Ziegelstein hat.

Der Anfang vom Lehm

Um die ersten Bauvorkommen von Lehm zu finden, müssen wir in der Geschichte sehr weit zurück gehen. Schlägt man die Bibel auf, wird man in der einen oder anderen Stelle vielleicht von der Stadt Jericho lesen. Dort hat man die Gebäude schon viele Jahrtausende vor der Geburt Christus aus diesem Baustoff gebaut. Bleibt man gleich bei der Bibel, dann sollte auch der Turm von Babel erwähnt werden. Zwar wurde es nie wissenschaftlich wirklich erwiesen aber man spricht davon, dass bei Ausgrabungen Lehmteile gefunden wurden und auch in den Überlieferungen ist in manchen Passagen von diesem Baustoff zu lesen. Auch Völker wie die Ägypter oder die Sumerer setzten sowohl für den Hausbau als auch für den Gräberbau Lehm ein. Generell sind die Wurzeln und der Ursprung also im ganzen Gebiet von Vorderasien und dem Nahen Osten zu finden. Geht man noch ein Stückchen weiter nach Osten und landet in China, dann wird man an einer Sehenswürdigkeit nicht vorbeikommen: Die Chinesische Mauer schlängelt sich durch weite Teile des Landes und auch sie wurde teilweise aus Lehm errichtet.

Alle diese hier angeführten Daten beschränken sich aber bloß auf den Einsatz als Baustoff. Lehm wird ja auch heute in der Industrie und als Beimischung zu bestimmten Produkten verwendet. So taten es auch die früheren Völker. Somit hat die erste Verwendung von Lehm bestimmt noch viel früher stattgefunden.

Erster Lehm in Europa

Das erste Mal in Europa kam der Lehm laut Überlieferungen in Russland an. Dort sollen vor rund 10.000 Jahren die ersten Bauten entstanden sein. In Österreich fand man zahlreiche alte Bauten, die aus Lehm bestehen. Viele von ihnen werden auf ein Alter von 5.000-6.000 Jahre geschätzt. Viele der Gebäude stammen von den Kelten, die den Lehm sowohl für das Haus als auch für Teile wie den Boden (Stampflehm) oder das Dachgeschoss verwendeten. Ein interessantes Detail am Rande: Die fortschrittliche Kaiserin Maria Theresia ließ nicht nur die Schulpflicht einführen, sondern erkannte auch den Wert von Lehm und förderte diesen Baustoff deshalb durch eigens dafür geschaffene Gesetze.

Also schon früh lernten die Menschen mit Lehm umzugehen und verarbeiteten in zu einzelnen Produkten. Zum Beispiel kreierten sie auch Lehmziegel, indem sie die geformten Ziegel in der Sonne trocknen ließen. Aber weitere beliebte Bauweisen waren das Einarbeiten in Palisaden und Flechtwände oder für Fachwerkhäuser. Sie sind heute in ganz Europa verteilt. Außen herum sind es Holzpfosten, die das Gerüst bilden aber der Baustoff, mit dem der Bau verputzt und gefüllt wird, ist größtenteils Lehm.