Lehmbau in Afrika

Während bei uns der Lehmbau in Mode ist, hat es diesen Trend in ganz Afrika noch nie gegeben. Seit eh und je wird Lehm dort schon zum Hausbau verwendet. Aber nicht nur das, sondern ganze Städte (inklusive Stadtmauern, Kirchen und Gemeinschaftsgebäude) sind aus diesem Baustoff konstruiert. Die Menschen in Afrika verwenden dieses Material weil es sehr kostengünstig oder sogar gratis ist und keinen großen Aufwand bedeutet. Sie können den Rohstoff selbst abbauen, verarbeiten und die Häuser auch gleich in Eigenregie renovieren. Abgesehen davon haben die meisten Menschen aber gar kein Budget um ihre Häuser anders zu errichten.

Aus diesem und vielen anderen Gründen gilt der Baustoff Lehm bei uns noch immer als etwas Unspektakuläres, etwas das keiner Beachtung wert ist. Aber in der Tat ist Lehm ein faszinierendes Baumaterial. Man muss sich nur einmal Fotos von Afrika anschauen. Neben einfachen Lehmhäusern werden auch wahre Kunstwerke daraus konstruiert. Man braucht nur nach Mali in Afrika zu schauen, wo beinahe die ganze Stadt aus Lehm ist. Bewundernswert ist vor allem die große Moschee von Djenné. Sie wird allgemein als eines der größten Lehmgebäude der Welt bezeichnet. Die Architektur steht einer europäischen Kirche aus Ziegeln und Zement in Nichts nach. Verzierungen, Verschnörkelungen und Dekorationen sind genauso zu finden.

Kenia

Weiter geht es nach Kenia. Dort ist die Lehmbauweise zwar weniger ansehnlich, aber dafür bietet sie vielen tausenden Menschen eine Möglichkeit zum Wohnen. Ihre Häuser wurden ganz einfach errichtet: Die Basis ist ein Holzgeflecht, das einen Lehmbewurf trägt. Die Bewohner sind arm und haben oft sogar Probleme das nötige Holz zu besorgen, mit dem Lehm hingegen haben sie keine Probleme. Um ihnen den Bauprozess ein wenig zu erleichtern, haben sich auch viele Hilfsprojekte in Sachen Lehmhausbau eingeschaltet. Sie sammelten Spenden und konnten so eine Lehmpresse besorgen. Die damit produzierten Lehmsteine sorgen nämlich dafür, dass das Gebäude viel stabiler wird. Mit den bis zu 450 hergestellten Steinen pro Tag wird auch das Bauen viel rascher und effizienter.

Vorteile der Bauweise

In den Gebieten, wo die Afrikaner etwas mehr Finanzen zur Verfügung haben, werden aus Lehm viele interessante Häuser gebaut. Zum Beispiel gibt es im Norden von Afrika viele Lehmgebäude mit Innenhöfe und Terrassen. Diese sorgen dafür, dass man der Hitze ein wenig entkommen kann und genügend Schatten hat. Die Eigenschaften von Lehm als Regulierer sind hier besonders wichtig, denn sie ermöglichen das Bewohnen eines Hauses ohne Klimaanlage. Dass die Form des ökologischen Bauens für die afrikanischen Bewohner weniger ausschlaggebend ist, liegt auf der Hand. Es ist vor allem das Wüstenklima, das vom Lehm profitiert. Kühlere Tage und wärme Nächte, so kann man die Vorteile zusammenfassen. Aber auch hier gibt es einen kleinen Nachteil. Jedes Mal nach der Regenzeit beginnt das große Renovieren. Denn die Regenmassen schaffen es, dass Teile des Lehms abgetragen werden und das Gebäude würde ohne menschliche Arbeit auf längere Dauer unbewohnbar werden.

Zum Teil findet man in Afrika noch so genannte „Kasbah“. Das sind Festungen, welche die Berber errichten ließen. Auch sie sind teilweise aus Lehm gebaut. Die Stampflehmwände sind wichtige Elemente der Wehrmauern.