Lehmbau in Europa

Die Umwelt- und Ökologiekomponente ist heute wieder voll im Trend. Schon an der Politik erkennt man diese Tendenz: In vielen europäischen Staaten gibt es mittlerweile schon grüne Parteien, die ihre Vorhaben mit zahlreichen Wählerstimmen verfolgen. Als bestes Beispiel braucht man nur Deutschland herzunehmen. Auch auf EU-Ebene gibt es eine Fraktion der umweltfreundlichen Parteien. Wenn nicht jetzt, wann ist dann das ideale Klima und die Stimmung da um ökologische Anliegen umzusetzen? Denn das erleichtert die Bewusstseinsbildung ungemein. Der Lehmbau in Europa ist ein Thema, das viel Aufmerksamkeit benötigt. Von der Geschichte her, wurden auf diesem Kontinent nur sehr wenige Lehmbauten errichtet. Das hat verschiedene Gründe, einer mag wohl sein, dass das Klima eher gemäßigter ist und daher die Vorteile des Lehms nicht so groß sind wie in anderen Regionen der Erde. Dabei wären aber auch die Gebiete in Südeuropa und der südöstliche Teil sehr gut geeignet. Hier erreicht das Thermometer im Sommer auch oft die 40-Grad-Marke.

Wo die Technologie fehlt

Aber genau in diesen Staaten fehlt es an Fachwissen um die Lehmbauweise zu verankern. Die Spezialisten sitzen oft in Ländern, wo es ohnehin nie so heiß wird. Ein erstes Projekt wurde hier schon gestartet, das ist aber auch schon wieder länger her. Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl waren viele Leute noch immer obdachlos. In der Region hat man deshalb Lehmhaussiedlungen errichtet und Experten haben zusammen mit Einheimischen gearbeitet und ihr Wissen somit weitergegeben. Das ist auch ein wahrer Vorteil vom Lehm: Einerseits benötigt man Experten, aber andererseits können Laien genauso gut mithelfen. Eine ideale Mischung also.

Eine wenige Beispiele

Sucht man etwa nach bekannten Lehmbauten, wird man im europäischen Raum nur bedingt fündig. Es werden wahrscheinlich größtenteils Gebäude aus den 80er und 90er Jahren sein, von dort, wo der Lehmbau seinen neuerlichen Boom erlebt hat. Zu vergessen seien aber auch einige der Fachwerkhäuser nicht. Es werden aber keine Mühen gescheut um den Menschen das Lehmbauen näher zu bringen. In Gnevsdorf hat man etwa eine alte Scheune renoviert und zum Lehmmuseum gemacht. Sie war teilweise aus Lehm gebaut und eignete sich daher perfekt als so ein Museum. Anfangs erklärt man den Besuchern die Herkunft von Lehm und erklärt den Abbau und das Vorkommen. Wie haben die Menschen früher, ohne maschinelle Handwerke, Lehmhäuser gebaut und den Baustoff verarbeitet? Diese und die Frage nach den Lehmbauepochen werden auch bei der Tour beantwortet. Um den Erlebnisfaktor nicht zu vergessen, kann man Lehmsteine, eine Stampflehmwand oder alte Kunstwerke aus Lehm ansehen, angreifen, anriechen und erkunden.

Ein anderes Beispiel ist im niederösterreichischen Tattendorf. Wie es nicht anders sein soll, ist es kein Privatprojekt, sondern ein gefördertes Projekt um der Umgebung zu zeigen was Lehm alles kann. Speziell hat man hier eine Bauweise mit Modulen angewendet. Die einzelnen Teile wurden vorher woanders hergestellt und erst am Bestimmungsort zusammengesetzt. Die Herstellung unterscheidet sich also nur geringfügig von einem Fertigteilhaus.

Wo man sich heute aber in Europa schon erfolgreich im Bauen mit Lehm versucht, sind etwa Deutschland, Schweiz, Holland und auch Dänemark.