Traditionelle Lehmbauweise

Es ist unmöglich von DER traditionellen Lehmbauweise zu sprechen. Denn dadurch, dass viele verschiedene Kulturen und Völker das Material Lehm schon seit langem nutzen, haben sich natürlich auch unterschiedliche Bauweisen entwickelt. Äußere Einflussfaktoren wie das Klima, die Hanglage oder die sonstigen zur Verfügung stehenden Mittel haben die jeweilige Art und Weise geformt. Denn nicht jedes Volk hatte denselben Wissensstand über das Baumaterial. Einige können durchaus schon mit heutigen Standards gemessen werden, während andere mit dem Lehm noch in den Kinderschuhen steckten. Eine Übersicht über die verschiedenen Traditionen ist daher nur ansatzweise möglich und hat auf keinen Fall das Ziel eine Vollständigkeit zu erreichen. Denn da Lehm so gut wie überall verfügbar ist, gibt es tausende wenn nicht noch mehr verschiedenen Anwendungen.

Afghanistan

Vor allem in Afghanistan kann der Lehmbau auf lange Tradition zurückblicken. Die Erläuterungen dieses Landes gelten aber auch mit geringen Abänderungen für die Nachbarstaaten im Nahen Osten. Eine dort ansässige Bauweise ist die Fachwerk- bzw. die Rahmenkonstruktion, welche aber auch im europäischen Raum keine unbekannte ist. Die Wände bestehen aus Holzlatten und die Zwischenräume zwischen der schachbrettartigen Konstruktion werden mit Lehmziegeln gefüllt bzw. gemauert. Der Verputz erfolgt ebenfalls mit Lehm, allerdings werden hier noch Strohhalme untergemischt, somit wird die Isolationsfunktion erhöht. In Europa wird sie häufig Lehmstaken- und Flechtwerkbauweise genannt. Allerdings sind nur noch alte Gebäude in diesem Stil gebaut. Eine Renovierung erfolgt oft nur bei jenen, die vom Denkmalschutz betroffen sind. Beliebt ist diese Bauweise auch im skandinavischen Raum, wo man häufig solche Fachwerkshäuser aus früheren Zeiten zu sehen kriegt.

Stampflehm

Eine weitere beliebte Bauweise ist jene mit Stampflehm. Dieser Ausdruck kommt daher, weil der Lehm mit Wasser gemischt wird und danach ordentlich gestampft wird. Das Ganze hat den Zweck, dass das Wasser abfließen soll. In ärmeren Regionen wird das heute oft noch mit den bloßen Füßen gemacht oder Tiere, falls welche zur Verfügung stehen, eingesetzt. Dieses Material wird dann zum Mauerbau eingesetzt, das heißt Lehmbrocken für Lehmbrocken wird per Hand auf das Fundament gesetzt. Nachdem jede Schicht gerade gefeilt wurde, kann mit der nächsten begonnen werden. Normalerweise werden hier aber eher niedrige Gebäude oder nur Mauern konstruiert, weil es eine weniger resistente Bauweise ist. Auch in Deutschland und Österreich hatte sie Tradition, aber wird heute so gut wie nicht mehr verwendet. Aus der heutigen Zeit wären nur einige Projekte im Zusammenhang mit kirchlichen Bauten zu nennen, die sich noch daran orientieren. Hingegen praktiziert man heute noch in Australien oder der USA diese Bauweise. Allerdings ist es mitterlweile schon eine Mischung aus Zement und Stampflehm, die man als Baumaterial einsetzt.

Lehmziegelbau

Zu guter Letzt gibt es auch noch den traditionellen Lehmziegelbau, der auch heute wieder immer mehr im Kommen ist. Dadurch, dass die Ziegel einen größeren Spielraum bei komplizierten Konstruktionen erlauben, wird er auch nicht selten eingesetzt. Zum Beispiel bei einem Haus mit vielen raffinierten Ecken und Kanten empfiehlt sich der Lehmziegelbau.

Bis auf die Bauweise mit den Lehmziegeln, werden alle anderen Typen als ungebrannte Lehmbauweisen bezeichnet. In Mitteleuropa kann man sein Ende mit den ausgehenden 19. Jahrhundert festmachen, während man in anderen Teilen der Erde noch heute an dieser Tradition festhält.